Christliche Oekumene

OIKOUMENE Symbol

Die Bedeutung besonderer Feste und Zeiten im Kirchenjahr habe ich in Dankbarkeit für das Erreichen des Ruhestands in den Beiträgen in dieser Rubrik aus meinem persönlichen Blickwinkel dargestellt.

Ich bekenne mich damit als "der einen christlichen Kirche" zugehörig, nicht aber nur einer der vielen christlichen Kirchen.

Gedanken zum Vaterunser

Gedanken zum Vaterunser

Der Evangelist Matthäus hat in seinem Bericht über die Bergpredigt das Gebet überliefert (Mt 6, 9-15), das Jesus Christus die Menschen zu beten gelehrt hat. Auch der Evangelist Lukas zitiert es (Lk 11, 2-4) als Antwort Jesu auf die Bitte eines seiner Jünger: „Herr, lehre uns beten“.

Das „Gebet des Herrn“ spricht jede christliche Gemeinde in jeder liturgischen Feier. Es ist ein Bindeglied der christlichen Konfessionen. Der einzelne Christ, der seine Unvollkommenheit bekennt, darf es als Bitte um Entschuldigung beten. Wer um Erhörung einer persönliches Bitte oder einer Fürbitte Gottes väterliche Unterstützung erbitten möchte, fasst sie in die Worte des Vaterunsers. Und wer seine Dankbarkeit Gott gegenüber ausdrücken möchte, betet auch dazu gern ein Vaterunser.

Mir persönlich gilt das Vaterunser als Kleinod meines Glaubens. Darum füge ich einer Sinndeutung zwei Beispiele zu dessen Ergänzung mit konkreten Gebetsgedanken hinzu, und zwar zu einem gesellschaftlichen Anliegen und zu einem besonders tragischen Trauerfall.


Eine Sinndeutung

VATER UNSER

Jesus Christus war sich bewusst, dass Gott sein Vater ist. Mit seinem Gebet hat er aufgezeigt, dass sein Vater, der Schöpfer des Kosmos und aller Geschöpfe, von allen, die zu Gott beten, als ihr Vater angesprochen werden darf und soll. Alle, die sich darauf berufend Gott als „unser Vater“ anbeten, verstehen sich und einander als „Kinder Gottes“. Vertrauen auf die väterliche Weisheit und Güte, auf die Erlösertat Jesu Christi und die Wirksamkeit des Heiligen Geistes auf unser Erkennen, Denken, Wollen und Tun drückt sich darin aus. Es verbindet die Menschen, die so beten, zur christlichen Gemeinschaft. Durch sie erfahren die Bitten des Einzelnen eine Verstärkung. Ihre Wirksamkeit schließt den Einzelnen, die Gemeinde und diejenigen ein, für deren Heil und Wohlergehen sie ausgesprochen werden.

IM HIMMEL

Himmel bezeichnet mehr als den die Erde umgebenden Raum, mehr als das Firmament, mehr als den Kosmos als das alle Galaxien umfassende All, nämlich auch die immaterielle, geistige Welt, in der die Seelen der Verstorbenen, die Engel und Hierarchien als Geistwesen mit dem Schöpfergeist Gottes beheimatet sind.

GEHEILIGT WERDE DEIN NAME

So wie ein Kind seinen Vater achtet und gegen Ehrverletzungen verteidigt, ebenso gebührt es Gott, seinen Namen und sein Wirken in Ehren zu halten und dafür einzutreten, dass über Gott achtungsvoll und ehrerbietig geredet wird. Dieses schon im Alten Testament geltende Gebot bestimmt die Juden bis heute, den Namen „Gott“ überhaupt nicht auszusprechen, sondern nur zu umschreiben.

DEIN REICH KOMME

Gottes Reich umfasst die ganze Schöpfung und seine Allmacht. Gottes Reich ist allgegenwärtig. Doch wir Menschen gehen nicht gut damit um, verletzen den uns zugedachten Lebensraum durch Missbrauch unserer Freiheit. Ein Messias ist dem Volk Gottes schon im Alten Testament verheißen, in Christus hat er als Gottes und Menschensohn gelebt und gewirkt. Seine Gedanken, Worte und Taten erwiesen ihn als Gottes Sohn. Er repräsentiert das Reich Gottes. Wir haben darum zu bitten, dass uns diese Gewissheit zuteilwerde und unsere Gedanken, Worte und Taten bestimme.

DEIN WILLE GESCHEHE,

Was Gottes Wille ist, hat Christus in vielfältiger Weise eindrucksvoll aufgezeigt: Es geht um den Erhalt der Schöpfung und um den Frieden untereinander, um Nächstenliebe und Dankbarkeit. Es geht nicht um Erhaltung oder Mehrung von Geld, Einfluss oder Macht, sondern um Dienst für das Allgemeinwohl.

WIE IM HIMMEL SO AUF ERDEN.

Der Himmel ist das „Überuns“, die geistige Welt, die Welt der Gedanken- und Willenskräfte, die Sphäre der Seelen. Unser Verhalten auf der Erde wird von geistigen Kräften beeinflusst und wirkt auf uns selbst und auf die geistige Welt zurück. Wie wir mit der Erde, den Geschöpfen, mit einander und mit uns selbst umgehen, hat Einfluss auf unser Leben und auf unsere Seelen. Wer als Christ bewusst und verantwortungsvoll lebt, bringt ein Stück Himmel auf die Erde und geht schließlich als veredelte Seele in die geistige Welt ein.

UNSER TÄGLICHES BROT GIB UNS HEUTE.

Das tägliche Brot ist viel mehr als Essen und Trinken. Aber es gehört nicht alles dazu, was wir für erstrebenswert oder gar nötig halten. Die Bitte um das tägliche Brot meint nicht Fastfood und Fun. Sie ist auch nicht auf Fülle, Dauer oder Schnelligkeit gerichtet. Erbitten dürfen wir das gegenwärtig Nötige mit Bescheidenheit und Demut, nicht Überfluss. Dazu bedürfen wir der Selbststeuerung unter dem Leitgedanken, dass wir nicht mehr konsumieren dürfen, als es dem Erhalt des Lebens aller Geschöpfe auf der Erde dient.

UND VERGIB UNS UNSERE SCHULD,

Schuldig werden wir alle, indem wir denken, wollen oder tun, was dem Erhalt der Schöpfung oder dem Umgang mit uns selbst oder mit einander nicht dienlich ist. Jeder von uns ist unvollkommen, weil wir von der göttlichen Schöpferkraft nur eine Spur abbekommen haben. Das eigene Bemühen um ein Gott gefälliges Leben scheitert oft. Christus hat uns den Ausweg aufgezeigt, Gott um Verzeihung dafür zu bitten, was wir als misslungen eingestehen.

WIE AUCH WIR VERGEBEN UNSEREN SCHULDIGERN.

Eine Bedingung ist allerdings an die Vergebung geknüpft: Wer nicht bereit ist, anderen zu vergeben, verwirkt die Zusage, dass ihm vergeben wird. Das fällt uns häufig ungemein schwer, zumal wenn uns das Verhalten anderer sehr verletzt oder geschadet hat, noch schwerer, wenn jenem jede Einsicht fehlt. Leichter ist es, wenn er um Verzeihung bittet. Und sonst? Wir können uns mit einer Frage dem Verständnis für den unliebsamen Mitmenschen annähern, nämlich: Was hat er denn wohl Wichtiges für sich dabei im Sinn gehabt? Was war sein Motiv? Richtete sich, obgleich mich das Verhalten betrifft, das Verhalten denn tatsächlich gegen mich persönlich? Kann ich nicht wenigstens Verständnis dafür aufbringen und es Gott überlassen, über dessen Schuld-haftigkeit zu urteilen? Ein Gespräch mit dem Schuldigen zu führen, kann die Bereitschaft zur Vergebung beflügeln.

UND FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG,

Als Versuchung kann vieles gelten, das unser Verhalten bestimmt. Wir nennen Sucht, wo nach mehr verlangt wird, als gut und nötig ist. Um die Gaben der Selbstdisziplin und Nächstenliebe bitten wir, um Versuchungen zu widerstehen. Denn das meiste, um das wir im Übermaß verlangen, schadet anderen oder uns oder der Umwelt. Das zu vermeiden, dürfen wir Gottes Unterstützung erbitten.

SONDERN ERLÖSE UNS VON DEM BÖSEN.

Das Böse ist nicht nur das gebotswidrige Denken, Wollen und Tun, sondern auch die Unterlassung dessen, was in unserer Macht steht, um Böses zu verhindern, das von anderen ausgeht. Das ist oftmals nicht leicht. Eben deswegen dürfen wir um die Kraft dazu Gott, unseren Vater, bitten.

DENN DEIN IST DAS REICH

Ja, das ganz physische und geistige Universum ist von Gott, unserem Vater geschaffen und durchdrungen. Gott ist darin gegenwärtig als Schöpfer, als Christus und als Heiliger Geist. Wir sind nicht allein auf uns gestellt.

UND DIE KRAFT

Von Gottes Schöpferkraft sind wir beseelt. Jeder hat von seinem Geist schöpferische Fähigkeiten empfangen, nämlich zu denken, zu erkennen, zu reden, zu planen, zu entscheiden, zu gestalten, zu wollen und zu handeln.

UND DIE HERRLICHKEIT

Wenn wir kreativ und verantwortungsbewusst diese Kräfte einsetzen, dann wirken wir mit, dass der von Anfang an gesunde Zustand der Schöpfung so gewahrt oder wieder hergestellt wird, dass Gott selbst Freude daran hat.

In EWIGKEIT.

Unser Wirken in der Zeit soll ein Beitrag sein zum Wohl der Schöpfung über alle Zeit hinweg.

AMEN

Dafür wollen wir uns beherzt einsetzen und dazu Gottes Segen erbitten.


Ein Vaterunser für eine friedvolle Zukunft

VATER UNSER IM HIMMEL

Du siehst alles, weißt alles, gibst und nimmst alles
und mutest uns viel zu.
Auf der Flucht vor Unfrieden und Not in ihrem Heimatland
kommen scharenweise Menschen zu uns,
deren Sprache und Gewohnheiten uns fremd sind.
Das macht uns ängstlich und besorgt.
Über den Umgang mit den Flüchtlingen gibt es Streit.
Um Anteil an Deiner Weitsicht und Weisheit bitten wir,
damit wir zu mehr Frieden auf Erden beitragen können.

Schenk uns die Einsicht und die Kraft dazu, Vater.

GEHEILIGT WERDE DEIN NAME

Deinen Namen im Gebet zu heiligen, reicht nicht.
Unsern Nächsten zu lieben wie uns selbst, erwartest Du,
und dass wir Deine Schöpfung erhalten, deren Teil wir sind.

Schenk uns die Einsicht und die Kraft dazu, Vater.

DEIN REICH KOMME

Verzweifelte fliehen aus ihrer Heimat,
suchen Zuflucht, Schutz und eine Lebensperspektive bei uns.
Was Du uns gewährst, sollen wir mit ihnen teilen.

Schenk uns die Einsicht und die Kraft dazu, Vater.

DEIN WILLE GESCHEHE,

Du hast uns durch Christus gesagt:
„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt,
das habt ihr mir getan.“
Mit unseren Händen sollen wir mitwirken,
dass Dein Wille geschehe.

Schenk uns die Einsicht und die Kraft dazu, Vater.

WIE IM HIMMEL SO AUF ERDEN.

Zwar geht es uns noch gut,
aber den Himmel haben wir nicht auf Erden.
Und was wir besitzen,
möchten wir lieber mit Freunden als mit Fremden teilen.
Leichter fällt es gewiss,
wenn Fremde uns zu Freunden werden.

Schenk uns die Einsicht und die Kraft dazu, Vater.

UNSER TÄGLICHES BROT GIB UNS HEUTE.

Nicht nur für mich und die Meinen darf ich das tägliche Brot erbitten,
sondern für „uns“, Deine Kinder, Deine Geschöpfe.
Uns allen kann es nur gut gehen,
wenn wir lernen und bereit sind zu teilen.

Schenk uns die Einsicht und die Kraft dazu, Vater.

UND VERGIB UNS UNSERE SCHULD,

Indem wir an Christus glauben, wissen wir,
dass die Schuld, die wir bekennen,
uns von Dir vergeben wird.
Für Deine uns geschenkte väterliche Güte,
erwartest Du unser Gottvertrauen als Antwort.

Schenk uns die Einsicht und die Kraft dazu, Vater.

WIE AUCH WIR VERGEBEN UNSEREN SCHULDIGERN.

Vieler Menschen Verhalten bekümmert uns.
Oft meinen wir, dass könne auch Dir, Vater, nicht gefallen.
Haben wir nicht reichlich damit zu tun,
unser eigenes Verhalten zu kontrollieren?

Schenk uns die Einsicht und die Kraft dazu, Vater.

UND FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG,

Wir sind versucht,
unseren Besitz und Einfluss zu mehren,
streben ungeduldig nach immer mehr
und vermeintlich Besserem.
Gib uns die Weisheit zu erkennen,
was uns und andern wirklich nötig ist.

Schenk uns die Einsicht und die Kraft dazu, Vater.

SONDERN ERLÖSE UNS VON DEM BÖSEN.

Mit Anspruchsdenken, Gier und Sucht,
mit Selbstgefälligkeit, Hartherzigkeit und Hass
verlieren Menschen die Freiheit und Würde,
die Du ihnen gabst.
Unserer Liebe zu Dir und unsere Nächstenliebe
sollen sich als stärker erweisen.

Schenk uns die Einsicht und die Kraft dazu, Vater.

DENN DEIN IST DAS REICH

Wir reden von Eigentum und sind doch nur Besitzer.
Du leihst uns alles, was wir besitzen,
für eine überschaubare Weile.
In diesem Bewusstsein sollten wir andern großzügig davon abgeben.

Schenk uns die Einsicht und die Kraft dazu, Vater.

UND DIE KRAFT UND DIE HERRLICHKEIT

Wir wissen um die Begrenztheit unserer Fähigkeiten und Möglichkeiten.
Als Menschen sind wir lernfähig,
als Christen zudem zuversichtlich:
Wir sollen Deine Schöpfung so erhalten,
dass Deine Herrlichkeit sich darin zeigt.

Schenk uns die Einsicht und die Kraft dazu, Vater.

In EWIGKEIT.

Für eine dauerhafte Zukunft sind
der gute Umgang mit sich, mit einander und mit der Natur nötig.
Mit unserm Tun und Lassen sind wir dafür
Dir gegenüber verantwortlich.
Du aber wirst uns dabei zur Seite stehen,
wenn wir Dich inständig darum bitten.

Schenk uns die Einsicht und die Kraft dazu,
lieber Vater im Himmel.

AMEN


Ein Vaterunser für Marc,
einen verunglückten Schüler, und für die um ihn Trauernden

VATER UNSER

Vater? Wo bleibt Deine Gegenwart, Herr,
wo Deine Achtsamkeit und wo Deine Barmherzigkeit?
Leid und Trauer gießt Du über uns aus.
Und wir begreifen nicht, warum. Musste es sein?
Warum gerade auf dem Heimweg von der Konfirmandenvorbereitung?
Hatte es denn nicht noch Zeit, viel Zeit?
Unser Vater, nicht nur Vater der Lebenden,
auch Marcs Vater, bist Du.
Nun ist er bei Dir.
Uns lässt Du auf Erden ohne ihn,
er aber darf bei Dir sein.

IM HIMMEL

Weit weg ist der Himmel.
Weit weg hast Du uns Marc entrissen.
Weit weg bist Du in Deinem Himmel.
Himmel, gib ihn uns doch wieder!
Der Weg von der Erde zum Himmel
ist eine [1] unendlich lange Treppe,
die wir immer wieder strauchelnd
ein Stück weit hinaufkommen.
Den Rest schenkst Du uns.
Marc hast Du ein zu großes Stück geschenkt.

GEHEILIGT WERDE DEIN NAME

Der Apostel Markus hat uns in seinem Evangelium
Christus als Deinen Sohn erlebbar gemacht.
Marc wollte Christus in der Konfirmation begegnen.
Wir hätten diese Begegnung so gern fröhlich mit ihm gefeiert.
Nun ist er schon bei Dir,
aber Tränen machen uns sprachlos.
ir können Deinen Ratschluss und Dein Handeln nicht begreifen.
Lass uns aus der Unvollkommenheit unseres engen Blickwinkels
nicht an Dir irrewerden, Herr.
Einst lässt Du jeden mehr erkennen,
indem Du ihm die Gnade der Vollendung schenkst.
Leg jetzt Deinen Finger auf unsern vor Trauer schreienden Mund,
dass kein böses Wort gegen Dich von unserem Kleinmut zeuge.

DEIN REICH KOMME

Dein Reich ist jene Welt, in der es nichts Unwahrhaftiges gibt,
kein Leid, keine Dunkelheit, keine ungeschützten Bushaltestellen
und keine rasenden Autos.
Bei Dir müssen wir nicht mehr vorsichtig
hinter dem haltenden Bus um die Ecke schauen.
Bei Dir gibt es keine Schrecken, keine Schmerzen und keine Tränen,
sondern nur sichere, liebevolle Geborgenheit.
Schenk uns diese Zuversicht, lindere unsern Schmerz
und nimm die Dunkelheit von unsern Augen
und von unsern Herzen, bitte.

DEIN WILLE GESCHEHE,

Wenn Du uns Freude schenkst, ist es ein Leichtes,
Deinen Willen darin zu erkennen und anzunehmen.
Nun hast Du uns eine furchtbar schwere Bürde aufgegeben.
Wir möchten sie nicht tragen.
So hilf uns bitte,
dass wir sie doch annehmen und tragen können.

WIE IM HIMMEL SO AUF ERDEN.

In Deinem Reich regiert Dein Geist uneingeschränkt,
dort ist das Erkennen ein Schauen,
dem nichts verborgen bleibt.
So hilf uns bitte,
dass die Augen unserer Herzen hier nicht vor Schmerz erblinden.
Lass uns mutig darauf hinwirken,
die Straßen sicherer
und das Miteinander menschlicher zu machen.

UNSER TÄGLICHES BROT GIB UNS HEUTE.

Um die Traurigkeit auszuhalten und zu überwinden,
stärke bitte unseren Glauben
an die Verheißung ewigen Lebens für Marc
und schenke ihm Deine beglückende Nähe.

UND VERGIB UNS UNSERE SCHULD,

Es bedrückt uns, dass wir unvollkommen sind.
Bestimmt haben wir es oft an etwas fehlen lassen,
was Du von uns erwartet hast.
Auch Marc hätten wir manche Aufmerksamkeit früher schenken sollen,
manches heftige Wort vielleicht besser gelassen.
Wer hätte denn auch geahnt,
dass er so jung sterben würde.
Nun können wir nichts mehr nachholen.
Aber wir können ihn liebbehalten.
Und darum, bitte, vergib uns.

WIE AUCH WIR VERGEBEN UNSEREN SCHULDIGERN.

Der Autofahrer, dem Marc vor das Auto kam,
fühlt sich mitschuldig.
Auch er wird den grauenvollen Augenblick
nicht vergessen können.
Du, Vater, willst keinen Zorn,
willst keine Verbitterung,
willst, dass wir vergeben.
Wir können nicht Dich um Vergebung bitten,
wenn wir selbst nicht zu vergeben bereit sind.

UND FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG,

Hybris, Hochmut, heißt die Gefahr der Selbstüberschätzung,
die uns von Dir so weit entfernt
wie wir uns vollkommen wähnen.
Du mahnst uns zu Achtsamkeit,
und Demut ist Deine Erwartung an uns.
Begnade uns damit, bitte.

SONDERN ERLÖSE UNS VON DEM BÖSEN.

Trauer ohne Hoffnung ist arg.
Lege uns die Gabe der Hoffnung ins Herz.
Lass uns spüren, dass der Tod nicht das Letzte ist,
sondern die Schwelle zu Deinem Reich.

DENN DEIN IST DAS REICH UND DIE KRAFT
UND DIE HERRLICHKEIT IN EWIGKEIT.

Du hast uns verheißen die geistige Welt,
in der alle Tränen ein Ende haben,
und die Macht, die allen irdischen Gewalten überlegen ist,
und das helle, klare Licht Deiner Gegenwart.
Dahin hast Du Marc nun aufgenommen.
Dort, in Deinem Reich, Vater,
dürfen wir ihm wieder und wieder begegnen.

AMEN


Anmerkung:

Das Bild des Lebens als einer Leiter, die zum Himmel führt, ist in meinem Essay zu "Himmelfahrt" ausführlich dargestellt. - zurück zu [1].


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Bedeutung von Ostern

Die Auferstehung Jesu Christi

Die vorliegende Schilderung der [1] Karwoche hat zu jedem Tag - von [2] Palmsonntag an - den neutestamentlichen Bezugsrahmen aufgewiesen und eine persönlichen Sinndeutung hinzugegeben. Zum Osterfest selbst hat der Autor 2009 eine [3]  Andacht am Ostermorgen beschrieben und sie in einem [4] Dialog mit seiner Enkelin erläutert. Die dabei bis 2013 verbliebene Lücke schließt der folgende Beitrag, der die Profezeiungen der Auferstehung und deren Erfülliung skizziert sowie Beispiele für deren Würdigung in Kunst, Musik und mit liturgischen Osterfeiern aufzeigt.

Die Auferstehung im Neuen Testament

Ankündigungen

Nachdem Jesus einen Blinden geheilt hatte (Mt 12, 22), verlangten die Schriftgelehrten und Pharisäer nach einem Zeichen, das ihn legitimiere. Jesus entgegnete darauf, es werde kein anderes Zeichen geben als das des Propheten Jonas; denn so wie der nach drei Tagen im Walfischbauch auf die Erde zurückkehrte, werde es sich mit ihm selbst nach drei Tagen unter der Erde verhalten (Mt 12, 40; andeutungsweise auch bei Lk 11, 29).

In Cäsarea Philippi fragte Jesus die Jünger, für wen die Menschen und sie, die Jünger, ihn, Jesus, hielten. Darauf antwortete Petrus, Jesus sei der Messias (Mk 8, 29). Daraufhin beschrieb Jesus ihnen den ihm bevorstehenden Leidensweg, an dessen Ende er hingerichtet und am dritten Tag auferstehen werde (Mk 8, 31, Mt 16, 21 und Lk 9, 22).

Auf dem Weg nach Jerusalem erklärte Jesus seinen Jüngern erneut, was ihm dort bevorstehe: Die Hohepriester und Schriftgelehrten werden ihn da zum Tod verurteilen und den Heiden zu Spott, Geißelung und Kreuzigung ausliefern. Am dritten Tag aber werde er auferstehen (Mt 20, 18, Mk 10, 33f. und Lk 18, 32f.).

Bei der Tempelreinigung am [5] Montag der Leidenswoche hatten am Tempel in Jerusalem dort versammelte Juden von Christus eine Rechtfertigung für sein Vorgehen gegen die dortigen Händler und Geldwechsler verlangt (Joh 2, 18-22). Daraufhin sagte er auf sich weisend:

"Macht diesen Tempel zunichte,
so werde ich ihn innerhalb von drei Tagen wieder aufrichten."

Die Fragesteller betrachteten das als abwegig und provokant. Und die Jünger begriffen erst nach der Auferstehung Christi, was er damit gemeint hatte.

Die Frauen am leeren Grab

Sowenig die Jünger diese Andeutungen in ihrem Bewusstsein hatten, so wenig die Frauen, die das Grab Jesu am frühen Morgen nach dem [6] Passah-Sabbat aufsuchten, um Jesu Leichnam einzubalsamieren. Unter ihnen war Maria Magdalena, die Jesus zum Entsetzen der Jünger schon am [7] Karmittwoch mit Nardenöl gesalbt hatte (Mk 14, 3-9, Mt 26, 6-13, Lk 7, 36-50 und Joh 12, 1-8). Der große Stein, mit dem die Gruft verschlossen war, war zum Erstaunen der Frauen beiseite gerollt (Mk 16, 1-4, Mt 28, 1, Lk 24, 1-2 und Joh 20, 1). Sie betraten das Grab, um darin dem Leichnam die Ehrerbietung zu erweisen, mit der sie ihre Trauer ausdrücken wollten, wie es der Tradition entsprach.

Die Botschaft der Engel

Die Frauen waren entsetzt, dass in der Gruft nur die leeren Tücher und Binden lagen, die Joseph von Arimathäa für den Leichnam bereitgestellt hatte (Mk 15, 43-46, Mt 27, 57-59, Lk 23, 50-53, Joh 19, 38-40 und 20, 5). Ihr Schrecken wurde noch größer angesichts eines Jünglings in langem, strahlend weißem Gewand, der neben den Tüchern saß. Seine Worte "Seid ohne Furcht" erinnern an dieselben Worten der Engel auf dem Feld bei den Hirten an [8] Weihnachten.

Mit der Frage "Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?", rief der Engel (nach Lk 24, 5 einer von zweien) den Frauen die Ankündigungen Jesu ins Bewusstsein. Der von den Toten Auferstandene werde ihnen in Galiläa begegnen. Das sollten sie Petrus und den übrigen Jüngern ausrichten.

Nach Markus (Mk 16, 8) flohen die Frauen in panischem Entsetzen und wollten niemand etwas darüber sagen. Nach Lukas (Lk 24, 9f.) berichteten sie es den Aposteln, die es nicht glauben wollten. Und nach Johannes (Joh 20, 2-10) veranlassten Sie Petrus und Johannes, sich davon zu überzeugen. Am deutlichsten berichtet Matthäus (Mt 28, 8) über die gemischten Gefühle der Frauen: "Sie eilten von der Gruft hinweg mit Furcht und großer Freude und liefen, um es den Jüngern zu verkünden".

Die Erscheinung des Auferstandenen

Nur Matthäus berichtet (Mt 28, 9f.), dass Jesus den Frauen sogleich begegnet sei und sie gegrüßt habe. Das mutet an wie eine Belohnung für die Wandlung ihrer Furcht in Freude und ihrer Ungewissheit in Glauben. Die Frauen haben sich vor dem Auferstandenen zu Boden geworfen und voll Ehrfurcht seine Füße ergriffen. Und Jesus selbst bestätigt ihnen gegenüber die Ankündigung des Engels, er werde seinen Brüdern in Galiläa begegnen.

Dies ist die einzige Erscheinung des Auferstandenen am Tag seiner Auferstehung, von der das neue Testament berichtet. So ist österliche Freude zunächst den Frauen geschenkt, die ihm die Totenehre erweisen wollten.

Einige Jünger, unter ihnen Petrus, eilten den Aussagen der Frauen folgend noch am gleichen Tag zur Gruft, um dort nachzuschauen. Dort aber erschien ihnen weder ein Engel noch der Auferstandene selbst. So hielten sich die Zweifel der Jünger, bis zwei ihm auf dem Weg nach [9] Emmaus und später alle in Galiläa tatsächlich begegneten. Der Apostel Thomas gab seine Zweifel erst an dem Tag auf, als sich die Jünger aus Frucht vor den Juden zum zweiten Mal hinter verschlossenen Türen trafen (Joh 20, 26-29) und der Auferstandene dann trotzdem wieder bei ihnen eintrat und dann Thomas erlaubte, seine Wundmale zu berühren.

Der verklärte Leib

Das Geheimnis der Durchdringung verschlossener Türen wird verständlich, indem der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief erklärt, dass Christus als "Erstling der Entschlafenen" (1Kor 15, 20) mit seiner Auferstehung einen "geistigen Leib" (1Kor 15, 44) angenommen hat. Dessen Erscheinungsweise lässt den natürlichen Leib offenbar wiedererkennen.

Als blendende Lichtgestalt ist Christus dem Paulus bei dessen Bekehrungserlebnis auf dem Berg Tabor erschienen. Diese besondere Erscheinungsweise gleicht der auf dem Berg der Verklärung (Mt 17, 1-9). Dort bringt Jesus selbst sie in Zusammenhang mit seiner Auferstehung: Daran sollten die Jünger sich erinnern und dann erst dürften sie davon berichten, wie sie ihn "verklärt mit einem Angesicht wie die Sonne und Kleidern weiß wie Licht" wahrgenommen hätten. Das Johannesevangelium (Joh 16, 14) berichtet, dass Jesus selbst gesagt hat, er werde (bei seiner Auferstehung) "verklärt".

Auferstehung in Kunst und Musik

Die Auferstehung Christi in der Gestalt des verklärten Leibes beflügeln viele Künstler zu eigenen Interpretationen der hierdurch in ihnen inspirierten Vorstellungen. Im folgenden dafür ein bildhaftes und zwei musikalische Beispiele.

Ein Bild


"Auferstehung" von Gerda Dittmann, Foto von Peter J. Reichard

Die verklärte Gestalt Christi steht in weißem Gewand vor der gleißenden Sonne über den Bergen um Jerusalem - mit den leeren Kreuzen auf Golgatha rechts und der Grabesgruft links, aus der den Frauen ein engelhaft heller Schein entgegen leuchtet. Die Armhaltung der Lichtgestalt mag andeuten, dass durch sie die Fülle des himmlischen Lichts nun der Erde geschenkt ist.

Zwei Kompositionen

In besonders beeindruckender Weise verleihen zwei Komponisten der Auferstehung Ausdruck, nämlich

  • Johannes Brahms in seinem "Deutschen Requiem" op. 45 im 6. Satz
    und
  • Gustav Mahler in seiner 2. Sinfonie c-Moll, mit dem häufig verwendeten, aber nicht von Mahler selbst stammenden Beinamen "Auferstehungssinfonie" im 5. Satz.

Im [A] Deutschen Requiem deutet der Solo-Bariton im 6. Satz mit den Worten des Paulus "Siehe ich sage euch ein Geheimnis" (in [A] ab 47:54) das bevorstehende Ereignis an. Beim Übergang von Takt 64 zu 65 nach dem Text "… wir werden alle verwandelt werden; und dasselbige plötzlich, in einem Augenblick" (in [A] ab bei 49:25) hält die Musik für die Dauer von drei Vierteln inne, ihr Fortgang wird unterbrochen, es stockt der Atem. Sprachlosigkeit ist die natürliche menschliche Reaktion beim Erleben von Ungeheuerlichem. Wenn nach dieser unerwarteten Zäsur dann mit dem Text "… zu der Zeit der letzten Posaune" der Klang der Posaunen mit beeindruckender Kraftfülle ertönt, dann hat die Vision von der Auferstehung musikalische Gestalt angenommen. Dann kann der Chor als Vertreter aller Menschen, deren Heil die Auferstehung gilt, mit Paulus jubelnd feststellen: "Der Tod ist verschlungen in den Sieg, Tod, wo ist dein Stachel". Mit Lob und Dank beschließt eine gewaltige Fuge den Satz mit den Worten aus der Offenbarung des Johannes (Apk 4, 11): "Herr, du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft, denn du hast alle Dinge erschaffen, und durch deinen Willen haben sie das Wesen und sind geschaffen".

Mahlers [B] 2. Sinfonie hat ihren Beinamen nach dem Chorsatz im 5. Satz der Sinfonie auf den Text von Friedrich Gottlieb Klopstock "Auferstehen, ja auferstehen wirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh" (in [B] ab 1:13:20). - Ebenso wie bei Brahms macht auch hier die Musik eine Pause. Dieses Innehalten ist erfüllt vom Unaussprechlichen, nämlich der Auferstehung selbst. Danach ist nichts mehr wie zuvor. Bei Mahler geschieht dieses Andere durch einen kompositorisch geradezu genialen Klangfarbenwechsel: Der Orchesterklang wechselt in den Chorklang! Wenn ein sehr großer gemischter Chor im Pianissimo mit dem Vokal "a" - von Aufersteh'n - anhebt zu singen, quasi nur gehaucht, dann kann die akustische Wahrnehmung ein überwältigendes Seelenerlebnis davon auslösen, wie der "geistige Leib" sich zu regen begonnen hat. Mahler selbst hat (gegenüber Natalie Bauer-Lechner) den Stimmungswechsel in seiner 2. Sinfonie so beschrieben:

"Während die ersten Sätze erzählend sind, ist der letzte episch:
Hier ist alles Geschehen!"
.

Wie Mahler hat auch Brahms die Auferstehung als ein Geschehen erlebbar gemacht, das den Zuhörer in der unüberhörbaren Pause den Atem anhalten lässt und ihm vor Staunen die Sprache verschlägt. Man verstummt.

Ostern: Sieg der Freude über die Trauer

Über seinen Tod und die Auferstehung hat Jesus - so in Joh 16, 20 - vorausgesagt:

"Die Welt wird sich freuen, während ihr noch traurig seid;
aber auch eure Traurigkeit wird sich in Freude wandeln."

Ostern erkennt man in seiner ganzen Tragweite eben erst im Nachhinein, so wie der Sinn von Leid sich nicht schon während des Leidens erschließt, sondern - wenn überhaupt - erst rückblickend aus genügend großem inneren und zeitlichen Abstand.

Die heutigen Christen haben zu Karwoche und Auferstehung eine beträchtliche zeitliche Distanz und wissen, welches Glaubensgeschenk von dem zunächst unglaublich anmutenden Ereignis der Auferstehung Christi ausgegangen ist: Nicht nur Jesus Christus hat den Tod überwunden, sondern jeder kann mit dem Glauben an die Auferstehung sicher sein, dass der Tod nur das Ende des natürlichen Lebens markiert, aber zugleich den Anfang des Lebens in der 'geistigen Welt'.

"Das vergängliche Saatkorn ist der Keim neuen Lebens", so sagt es Jesus (Joh 12, 24) und so bekräftig es Paulus (1Kor 15, 36). Die Unsterblichkeit der Seele, nach der Platon im Dialog [10] "Phaidon" ahnend suchte, hat in der Unvergänglichkeit des Lebens in christlicher Überzeugung ihre Wirklichkeit gefunden.
"Der Tod hat seinen Stachel verloren" (1Kor 15, 55): Das Sterben mag ja zu fürchten sein, so wie Christus sein Sterben qualvoll durchlitten hat. Aber der Tod ist zwar das Ende allen Leidens, jedoch eben nicht das Ende des ganzen Lebens. Vielmehr ist der Tod seither der Beginn eines neuen, unvergänglichen Lebens in der geistigen Welt: Welche Verheißung, welche Freude!

Ausdruck der Osterfreude

Liturgie

Die Kirchen haben der unsäglichen Freude der Osterbotschaft in der Liturgie zu Ostern Ausdruck verliehen. Die Osterliturgie der katholischen Kirche beispielsweise lässt diese Freude in der Osternacht nach dreitägigem Schweigen der Orgel im festlichen Gloria eindrucksvoll erklingen. Schon das gesungene 'Lumen Christi' beim Eintritt in den Kirchenraum verkündet den Sieg des Lichtes über die Finsternis. Die am Osterfeuer aus trockenen Palmzweigen entzündete Osterkerze ist ein Sinnbild des verklärten Leibes Christi. Ihr Schein symbolisiert seine lichthafte Gegenwart über das ganze Kirchenjahr und insbesondere bei jeder Taufe. Die katholische Liturgie der Osternacht gibt so der Freude über das Ewige Leben in geradezu mitreißender Weise Ausdruck.

Gemeinschaft

Ein Erlebnis der orthodoxen Osternachtfeier in Korfu 1961 hat sich dem Autor unvergesslich eingeprägt: Von der überdachten, säulengetragenen Kultstätte mitten auf der großen Esplanade breitete sich das Licht von der dortigen Osterkerze Reihe um Reihe in konzentrischen Kreisen schließlich über den ganzen großen Platz aus. Ungesäuertes Brot und ein gekochtes Ei bekam hernach auch jeder Gast von seinem Gastgeber zum Geschenk mit den Worten "Christos anesti", d.h. "Christus ist auferstanden", und gab zur Antwort "Alithos anesti", d.h. "Ja, er ist wirklich auferstanden". So war zu spüren: Osterfreude breitet sich aus und verbindet die Gläubigen!

Andacht

Das Erlebnis österlicher Freude beim Aufsuchen einer Quelle, deren unaufhörlich frisch strömendes Wasser das Leben und seine Unvergänglichkeit versinnbildlicht, beschreibt der eingangs erwähnte Aufsatz [3] "Sonnenaufgang am Ostermorgen".



LINKS:

[ 1] Essay Die Karwoche:
www.p-j-r.de/publicationes/wissen/christliche-oekumene/89-karwoche.html -
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[ 2] Essay Palmsonntag:
www.p-j-r.de/publicationes/wissen/christliche-oekumene/90-palmsonntag.html -
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[ 3] Essay Sonnenaufgang am Ostermorgen:
www.p-j-r.de/publicationes/wissen/christliche-oekumene/88-ostermorgen.html -
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[ 4] Essay Osterandacht verstehen:
www.p-j-r.de/publicationes/wissen/christliche-oekumene/156-ostern.html -
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[ 5] Essay Karmontag:
www.p-j-r.de/publicationes/wissen/christliche-oekumene/91-karmontag.html -
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[ 6] Essay Karsamstag:
www.p-j-r.de/publicationes/wissen/christliche-oekumene/96-karsamstag.html -
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[ 7] Essay Karmittwoch:
www.p-j-r.de/publicationes/wissen/christliche-oekumene/93-karmittwoch.html -
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[ 8] Essay Bedeutung von Weihnachten:
www.p-j-r.de/publicationes/wissen/christliche-oekumene/105-weihnachten.html -
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[ 9] Essay Auf dem Weg nach Emmaus:
www.p-j-r.de/publicationes/wissen/christliche-oekumene/97-emmaus.html -
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[10] Bearbeitung Platon, "Phaidon" - in heutigem Deutsch:
https://p-j-r.de/pdf/prosa/phaidon.pdf -
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[A] Johannes Brahms, Ein Deutsches Requiem op. 45 :
https://www.youtube.com/watch?v=d1Yws1F0SG8
© Danmarks Radio - Sinfonieorchester und Konzertchor, Leitung: Herbert Blomstedt
Solisten: Camilla Tilling (Sopran),Peter Mattei (Bariton)
Satz 2 Teil II ab 18:18, Satz 6 "Siehe, ich sage euch ein Geheimnis" ab 47:54.
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[B] Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 2 in d-Moll:
www.youtube.com/watch?v=sHsFIv8VA7w
© Royal Concertgebouw Orchestra, Leitung: Mariss Jansons
Solisten: Ricarda Merbeth (Sopran), Bernarda Fink (Mezzosopran)
Satz 6 "Auferstehn, ja auferstehn ..." ab 1:13:20
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Osterandacht verstehen

 

Ein Dialog über die Frage
"Warum gehst du am Ostermorgen zu einer Quelle?"

Meine Enkelin Katlin hat die [1] Beschreibung der Andacht am Ostermorgen gelesen und bekundet offen, sie verstehe den Sinn des Ganzen nicht. Nachfolgend unser Dialog:

Warum zu einer Quelle, Opa Peter?

Meine liebe Katlin, du kennst den Kreislauf des Wassers, den die Sonnenwärme in Gang hält: Sie macht, dass Wasser über dem Meer verdunstet, das sich in Wolken sammelt, die der Wind über die Erde schiebt und aus denen es regnet. Der Regen nährt die Erde und versickert. Erdschichten reinigen das Wasser, das in Quellen sauber und frisch zu Tage tritt und über Bäche und Flüsse zum Meer zurückfließt. Wie mit dem Kreislauf des Wassers, ist es auch mit dem menschlichen Leben. Es hört nicht auf, wenn der Körper eines Verstorbenen in die Erde gelegt ist, sondern seine Seele lebt weiter. Vergleichbar dem Wasser aus der Erdentiefe, das an der Quelle wieder zutage kommt, hat Jesus Christus mit seiner Auferstehung an Ostern wieder Gestalt angenommen. Darum nennt man die Quelle ein Sinnbild für die Auferstehung und für die Unvergänglichkeit des Lebens.

Woher weißt du das?

Geahnt haben das manche Menschen immer schon. Gewissheit ist es geworden, als Jesus Christus nach seiner Hinrichtung und Grablegung am Ostermorgen nicht mehr in seinem Grab gelegen hat, sondern Menschen begegnet ist. Er ist ihnen in einer Gestalt erschienen, die sie sehen und wiedererkennen konnten. Die Gestalt heißt in der Bibel »verklärter Leib«. So ein Leib besteht nicht aus Materie, ist aber sichtbar und kann mit den Menschen reden. So haben ihn am Ostermorgen Menschen erlebt, die sein Grab trauernd aufsuchten. Jesus Christus hatte es ihnen vor seinem Tod versprochen. Damals konnten sie es kaum glauben. Am Ostermorgen aber haben sie es erlebt. Und sie waren darüber zuerst sehr erschrocken und aufgeregt über das Erlebnis: "Jesus Christus lebt, er ist wahrhaftig auferstanden!". Das löste bei seinen Jüngern jubelnde Freude aus.

Warum vor Sonnenaufgang?

Der täglich wiederkehrende Aufgang der Sonne hat auch eine sinnbildliche Bedeutung: Nach der dem Tod verwandten nächtlichen Dunkelheit, geht am Morgen wieder die lebensspendende, wärmende Sonne auf. Der Sonnenaufgang an Ostern ist nicht nur Zeitpunkt der Auferstehung von Jesus Christus, sondern auch Sinnbild für die Auferstehung der Toten, die Christus den Menschen versprochen hat. Der Sonnenaufgang schenkt uns also nicht nur jeden neuen Tag. Er schenkt uns auch die Gewissheit, dass wir am Lebensende nicht in der Dunkelheit des Todes bleiben. Wie Jesus Christus werden auch wir nach dem Tod in »verklärtem Leib« neues Licht geschenkt bekommen. Wer also vor Sonnenaufgang am Ostermorgen zu einer Quelle geht, möchte diesen bedeutenden Augenblick nicht verpassen. Denn dieser Sonnenaufgang ist es, der an das Geschehen und an das Versprechen von Jesus Christus erinnert, wie kein anderer.

Warum zu Fuß dorthin?

Beim Zufußgehen können einem viele Gedanken kommen. Darum unternimmt man auch jede Wallfahrt nach Möglichkeit zu Fuß. Das Sich-auf-den-Weg-machen ist nämlich nicht nur eine Art der Fortbewegung des Körpers. Auch Gedanken wandern mit. Wenn du dich mit bedächtigen Schritten an etwas annäherst, kommst du gut dort an. Das verlangt meist eine kleine Anstrengung. Die belohnt dich mit dem Gefühl der Zufriedenheit, wenn du sie geschafft hast. Sich österliches Quellwasser kommen zu lassen, hätte nicht die gleiche Wirkung, wie es selbst an der Quelle zu schöpfen. Das wirst du erleben, wenn du mitkommst.

Was ist eine Wallfahrt?

Es ist eine Reise zu einem besonderen, schon verstorbenen Menschen, den viele Menschen verehren und liebhaben. Indem man sein Grab oder den Ort aufsucht, an dem er gelebt hat, werden Erinnerungen an ihn lebendig, die in Berichten über sein Wirken überliefert sind. Pilger erleben bei ihrer Wallfahrt, dass sie dem so Verehrten in ihren Gedanken immer näher kommen. Sie können sein Denken und Wirken im Laufe der Wallfahrt immer besser verstehen. Am Ziel der Wallfahrt empfinden deswegen viele Pilger Freude und fühlen sich gestärkt. Manche erleben dann sogar ihre Heilung von Krankheit oder Leid.

Warum geht man zusammen mit andern?

Du weißt ja, liebe Katlin, was man gemeinsam unternimmt, macht mehr Freude. Bei Unternehmungen, die mit dem Glauben an Jesus Christus zu tun haben, gibt es darüber hinaus etwas Besonderes. Denn er hat den Menschen versprochen: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen". So lebt der Glaube vor allem in der Gemeinschaft von Menschen. Er verbindet sie. Der Gang zur Osterquelle verbindet also die Menschen, die ihn gemeinsam unternehmen, auch zu einer Gemeinschaft. Diese Pilger wollen sich an Tod und Auferstehung von Jesus Christus erinnern. Am Ziel ihrer kleinen Wallfahrt wünschen sie sich, wieder zu spüren, was sie längst wissen: Jesus Christus ist auch für jeden von ihnen auferstanden.

Weshalb schweigt man auf dem Weg dorthin?

Wenn wir uns der Osterquelle nähern, tun wir es eben nicht nur mit den Füßen, sondern auch mit Gedanken und mit dem Herzen. Reden kann ablenken. Schweigen aber lenkt die Gedanken auf das Wichtige. Schweigen fällt uns manchmal schwer. Es ist aber eine gute Übung. Je öfter und intensiver man schweigend nachdenkt, desto mehr innere Klarheit gewinnen die Gedanken. Wer auf dem Weg zur Osterquelle schweigend über Jesus Christus nachsinnt, kommt auch mit seinem Herzen dort an.

Was erlebst du an der Osterquelle?

Wenn alle schweigend um die Quelle herumstehen, höre ich nur das Vogelgezwitscher und das Geplätscher der sprudelnden Quelle, manchmal noch fallende Regentropfen. Die Dämmerung hat abgenommen und die Sonne geht auf, es wird allmählich immer heller. Ein neuer Tag hat die Nacht überwunden. Das lebendig frische Quellwasser lädt mich ein, es zu nehmen, um seiner Bedeutung nahe zu kommen, nämlich dem Versprechen der Unvergänglichkeit des Lebens.

Warum wäschst du dir dort Hände, Ohren und Augen?

Es ist nicht, um sich äußerlich zu reinigen. Das haben wir ja schon gleich nach dem Aufstehen besorgt. Es geht jetzt darum, es seiner Bedeutung entsprechend zu mir zu nehmen. Indem Jesus Christus auferstanden ist, haben das Hören, Sehen und Handeln der Menschen eine neue Richtung gezeigt bekommen, nämlich ihn als Vorbild. Um wie er liebevoll wahrzunehmen und zu handeln, braucht man saubere Ohren, klare Augen und reine Hände. Indem wir sie in lebendigem Quellwasser reinigen, geben wir dem Wunsch Ausdruck: Wir wollen verständnisvoll zuhören, wohlwollend beobachten und beherzt handeln. Diese Vorsätze nehme ich jedes Jahr wieder von der Osterquelle mit in den Alltag.

Und warum trinkst du von dem Quellwasser?

Einerseits reinigt es die Zunge und den Mund; denn was wir sagen, will liebevoll bedacht sein, bevor wir es äußern. Andererseits reichen wir einander das Wasser zum Trinken als Zeichen der Verbundenheit mit einander und mit Jesus Christus. Manche erinnern sich dabei an ihre eigene Taufe, mit der sie von Schuld befreit und in die christliche Glaubensgemeinschaft aufgenommen worden sind. Einige denken beim gemeinsamen Trinken auch an das Abendmahl von Jesus Christus mit seinen Jüngern und verspüren den Wunsch nach seiner Nähe und seinem Segen.

Wozu wird das Osterevangelium vorgelesen?

In der Lesung des Evangeliums vergegenwärtigen wir uns Jesus Christus und das Ereignis, für das wir den Weg zur Quelle unternommen haben. Natürlich kennt es jeder schon. Aber wichtige Dinge muss man wiederholen, um sie dauerhaft im Gedächtnis zu haben, das weißt du aus der Schule. Die jährliche Wiederholung der wichtigsten Geschehnisse im Leben von Jesus Christus über das Kirchenjahr hin macht uns deren Bedeutung für das eigene Leben immer wieder aufs Neue bewusst. Das gibt uns Klarheit, Richtung und Kraft. Man sollte Ostern nicht feiern ohne zu wissen warum. Wir müssen uns selbst immer wieder daran erinnern. Sonst meinen wir am Ende womöglich, Ostern hätte nur mit dem Osterhasen oder den Ostereiern zu tun.

Haben denn die Ostereier nichts mit Ostern zu tun?

Doch, natürlich. Das Ei ist ja auch ein Symbol für neues Leben. Es passt also zu den Ostergedanken des unvergänglichen Lebens und der Auferstehung. Aber ohne inneren Bezug dazu sind Osterhasen, gekochte oder gefärbte Eier oder Schokoladenformen reine Äußerlichkeiten. Wenn Menschen solche käuflichen Sachen für Ostern halten, fehlt ihnen die Freude, die ihnen das Osterfest seiner Bedeutung nach schenken könnte.

Wozu denn Osterlied und Vaterunser an der Quelle?

Du meinst, beides gehöre in die Kirche? Gewiss auch, aber nicht ausschließlich. Zu singen, wenn man Gefühle mit einander teilt, ist eine schöne und lebendige Form, ihnen gemeinsam Ausdruck zu geben. Du wirst mitsingen mögen, wenn dir danach ums Herz ist, nicht nur in der Kirche. Mit dem Vaterunser ist es ähnlich. Das alle Bitten einschließende Gebet hat überall im Leben einen wichtigen Platz. An Ostern ist es das Preisgebet dafür, dass unser Leben nicht mit dem Tod aufhört.

Woher weißt du das alles, Opa Peter?

Oftmals habe ich schon mit Freunden am Ostermorgen den Weg zu einer Quelle so unternommen, wie ich ihn beschrieben habe. Jedes mal habe ich das als schön und kraftspendend erlebt. Indem du mich eben dazu befragt hast, ist mir vieles klarer und bewusster geworden, was ich vorher noch nicht so deutlich formuliert habe. Darum hab vielen Dank für deine Fragen, meine liebe Katlin!

Nachwort:

Beim Aufschreiben unseres Gesprächs ist mir ein Ausspruch des 1999 verstorbenen Dom Helder Camara wieder eingefallen, einem Bischof aus Brasilien, der sich mit aller Kraft für die Menschenrechte eingesetzt hat. Er hat einmal von sich gesagt:

"Jeder meiner Schritte ruft mir in Erinnerung,
dass ich - wohin ich auch gehe -
immer zur Ewigkeit unterwegs bin.
"

Passt dieser Gedanke nicht auch wunderbar zu unserem Weg zur Quelle an Ostern?


LINK:

[1] Essay "Sonnenaufgang am Ostersonntag" - Wie man Ostern an einer Quelle feiern kann:
www.p-j-r.de/publicationes/wissen/christliche-oekumene/88-ostermorgen.html -
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Bedeutung von Weihnachten

Ursprung und Sinn des Weihnachtsfestes

Ungefähr ein Viertel Jahr lang steigern sich vorweihnachtliche Aktivitäten mehr und mehr. Werbung in Geschäften und auf Straßen, in Zeitungen, Broschüren, im Fernsehen und Radio: Als ob Weihnachten sich darin erschöpfte, mit Geschenk- und Saisonartikeln zu handeln, oder in anderen Äußerlichkeiten. Was hat das Angebot des Weihnachts-Sortiments bei Discountern ab September noch mit Weihnachten zu tun? So entsteht jedenfalls der Eindruck, vielen Menschen sei das Bewusstsein für den Sinn und die Bedeutung von Weihnachten verloren gegangen. Dem können folgende Gedanken womöglich entgegen wirken.

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Pfingsten verstehen

'Heiliger Geist' als Zumutung und Geschenk

Das Fest Pfingsten - 50 Tage (griechisch: Pentekoste) nach Ostern - erinnert an das Geschenk des Heiligen Geistes und dessen Auswirkungen. Neben [1] Weihnachten und [2] Ostern ist es als Kirchenfest mit zwei Feiertagen im Kirchenjahr ausgezeichnet. Was hat es damit für eine Bewandtnis und welche Bedeutung kann dieses Fest der "Ausgießung des Heiligen Geistes" in der heutigen Zeit haben?

J.M.Roscher um 1735 'Die Ausgießung des Hl. Geistes' - Deckengemälde im Café am Markt in Schwäbisch Hall, Foto von Peter J. Reichard

'Die Ausgießung des Hl. Geistes' - Deckengemälde (um 1735)
im Café am Markt Schwäbisch-Hall, Foto: Peter J. Reichard

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