SELBSTKOMPETENZ

Selbstkompetenz - Schlüssel zum Erfolg

Thema hier, auf Facebook und Linkedin

Sie kennen das: Es gibt Situationen im Leben, in denen man das Verhalten anderer ablehnt oder auch selbst unsicher oder gar ratlos ist, wie man sich am besten verhält. Statt Ursachen dafür zu beklagen, wollen die Bildungsexpertin Sabine Gessenich und ich hier eine hilfreiche Plattform bieten. Die soll jedem Mitmenschen (ab etwa 12 Jahren) helfen, die eigene Kompetenz im Umgang mit sich selbst und anderen zu bedenken und weiterzuentwickeln.

Basis dieser Plattform soll diese Webseite werden.
Hier wollen wir

  • grundlegende Kenntnisse vermitteln,
  • Denkanstöße und Hilfestellung geben sowie
  • auf Fragen und Anregungen eingehen.

Fragen und Anregungen entnehmen wir den Diskussionen in Gruppen zu diesem Thema auf Facebook
https://www.facebook.com/groups/315434029010753
und auch auf Linkedin:
https://www.linkedin.com/groups/8698986/.
Wer zu diesen Social Media Foren keinen Zugang hat, kann über mein Kontaktformular Anfragen stellen oder Anregungen geben.

Dem entsprechend wird diese Webseite zunächst nur erst einen Einstieg in die Thematik bieten. Allmählich soll sie dann entsprechen den eingehenden Anregungen dynamisch wachsen. So soll Selbstkompetenz für Sie als Leser und Beteiligte immer mehr an Kontur und Nutzen gewinnen.


SELBSTKOMPETENZ
als Schlüssel zum Erfolg

INHALT:

Bedeutung - Unterbrecher setzen - Zeit gewinnen und nutzen - Ausblick

Was bedeutet SELBSTKOMPETENZ:

Selbstkompetenz umfasst die Fähigkeiten,

  • eigene Wahrnehmungen und Empfindungen zu prüfen und zu überdenken,
  • absehbare Folgen möglicher Verhaltensweisen im Voraus zu bedenken,
    um das eigene Verhalten selbst- und zielbewusst zu steuern.
  • mit sich selbst und anderen achtsam und emotional intelligent umzugehen,
  • anderen aktiv zuzuhören und auf Augenhöhe (symmetrisch) mit ihnen zu kommunizieren,
  • eigene Gedanken und Empfindungen klar aber nicht aggressiv zu äußern.

Selbstkompetenz zielt darauf,

  • die eigene Zufriedenheit zu steigern,
  • als Person respektiert zu werden,
  • von anderen als vertrauenswürdig und kompetent wahrgenommen zu werden,
  • verantwortbare Ziele gemeinsam zu erreichen,
  • im Erfolg der Kooperationspartner auch den eigenen Erfolg zu erleben.

Selbstkompetenz ist lern- und trainierbar

  • durch Aneignung grundlegender Kenntnisse aus verschiedenen psychologischen, kommunikationswissenschaftlichen und neurobiologischen Erkenntnissen,
  • durch Einübung konkreter Verhaltensweisen in Beispielsituationen – am besten mit einem vertrauten Mitmenschen,
  • durch ständige, selbstkritische Anwendung des Geübten im persönlichen und beruflichen Umfeld.

Etliche zur Selbstkompetenz gehörenden Aspekte finden Sie in folgender Wortwolke:

Selbstkompetenz-Wortwolke

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SELBSTKOMPETENZ - Aspekte

Unterbrecher setzen

Sie fühlen sich angegriffen

Sie kennen das: Eine Frechheit, eine Bosheit, eine Beleidigung, eine böse Unterstellung empört Sie. Den Angriff auf Ihre Selbstachtung und Ihr Wohlbefinden wollen Sie abwehren - spontan, sofort, heftig und authentisch. Zum Beispiel so: "Unverschämtheit! Das ist der Gipfel! Das nehmen Sie sofort zurück!"

Danach stellt sich bei Ihnen womöglich das Gefühl ein, sich zu Recht verteidigt zu haben, es dem Boshaften "so richtig gegeben" zu haben. Aber wie steht es um jenen und um den Eindruck, den Sie bei ihm hinterlassen? – Wir kommen darauf am Schluss dieses Kapitels zurück.

Womöglich haben Sie gelegentlich die Erfahrung gemacht, dass spontane Äußerungen sich nicht dauerhaft als glücklich erweisen. Dies zu bekennen fällt vielen schwer. Sie halten Fehler zu bekennen für eine Schwäche.
Auf den kompetenten Umgang mit Fehlern und Kritik wird ein späteres Kapitel eingehen.

Spontanreaktionen

Sie sollten wissen, dass alle Kreaturen auf Angriffe spontan mit drei Verhaltensweisen reagieren können, nämlich Angriff, Flucht oder Totstellen.

Die Entscheidung zwischen diesen drei Optionen geschieht unbewusst und in Sekundenbruchteilen in einem Bereich des Gehirns, der keiner rationalen Kontrolle unterliegt. Die Amygdala ("Mandelkern") bewertet die Wahrnehmung durch Abgleich mit dem benachbarten Hippocampus (als Erinnerungszentrum) und löst im nahen Hypothalamus die Produktion der Nervenbotenstoffe für das Bewegungszentrum aus. Der Gesamtvorgang benötigt nicht mehr als einige Hundert Millisekunden. Das rettet Sie z.B. vor einem auf Sie zufahrenden PKW durch einen schnellen Sprung zur Seite.

Der gleichen spontane Reaktionsweise können Sie sich bei der als bedrohlich empfundenen Verhaltensweise eines Mitmenschen bedienen – wie oben für den Gegenangriff gezeigt. Sie könnten das Gegenüber einfach stehen lassen und davoneilen (Flucht) oder seine Anwürfe ignorieren (als Variante des Sich-tot-stellens). Die von vielen Zeitgenossen bevorzugte Methode ist allerdings der Gegenangriff; denn man möchte sich das ja nicht gefallen lassen.

Eskalation vermeiden

Was aber ist die Folge von Angriff und Gegenangriff: Doch meist eine Eskalation, eine Verschlimmerung also. Die mag letztendlich für beide Seiten ungute Wirkungen nach sich ziehen, die vor allem sensible Menschen psychisch belasten und sogar krankmachen können.

Psychotherapeuten haben für Erkrankungen dieser Art eine Methode gefunden, die sich zu betrachten lohnt: Sie lösen z.B. die mit Ängsten verbundene Selbstblockade von Patienten dadurch auf, dass sie Ihnen einen "Unterbrecher" (Separator) setzen.

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Schalter als Unterbrecher (Foto: pixabay)

Diese Methode gilt als ein Mittel, um jemanden zu "dissoziieren", also aus seinem aktuellen Zustand zu lösen. Dazu lenkt der Therapeut die Aufmerksamkeit mit einer Frage oder einem Auftrag auf einen Gegenstand oder Vorgang, der mit dem behandlungsbedürftigen Zustand in keinerlei Zusammenhang steht, so z.B. mit der Frage "Wie spät mag es jetzt sein?".

Auch ohne Gegenwart eines Therapeuten lässt sich diese Methode zur Selbststeuerung anwenden. Sie besteht darin, zu einer emotional bewegenden Wahrnehmung erst einmal keine Spontanreaktion zuzulassen, sondern willentlich etwa sieben Sekunden innezuhalten.

Warum 7 Sekunden: Diese Zeit genügt dem menschlichen Gehirn, um die erfolgte Wahrnehmung einer Kontrolle durch den Stirnlappen (Präfrontaler Cortex) zu unterwerfen. Damit kann die Lage bewusst wahrgenommen, die intuitive Deutung skeptisch geprüft und können mögliche Handlungsweisen rational beurteilt werden. Zeitgewinn führt also zu besseren Entscheidungen. Nehmen Sie sich die nötige Zeit!

Allerdings ist es nicht nur eine zunächst ungewohnte Anstrengung, 7 Sekunden innezuhalten. Es ist auch schwer. Die Willensanstrengung gelingt erst durch Einübung, indem man sie wiederholt mit dem selbstsuggestiven, unausgesprochenen Auftrag verbindet: "Halt inne!".

Der Selbstauftrag lässt sich mit einer individuell wählbaren Geste verstärken. Das kann z.B. ein indifferentes Lächeln sein. Aber Vorsicht: Üben Sie das vor dem Spiegel oder einer Selfie-Kamera, damit es weder aggressiv noch hämisch, überlegen oder abweisend wirkt. Auch ein vertrauter Mitmensch kann Ihnen dabei behilflich sein, indifferent lächeln zu lernen.

Indifferentes Lächeln ist immer dann hilfreich, wenn Sie Zeit gewinnen wollen, um eine Aussage oder Situation skeptisch zu prüfen. Bei ihrem Gegenüber kann ihr Lächeln womöglich sogar Verunsicherung auslösen. Mit der Aussage "Ich brauche etwas Zeit zum Nachdenken" entspannen Sie die Situation.

Einem kundigen Gegenüber machen Sie damit auch deutlich, dass Sie gerade dabei sind, die "schnelle Umgehungsstraße" (Amygdala - Hypocampus) zugunsten des "Umwegs" über den präfrontalen Cortex zu unterbrechen.

Natürlich gibt es Situationen – z.B. in Verbindung mit einem Trauerfall –, in denen das indifferente Lächeln sich verbietet. Hier kann der einfach neutrale Gesichtsausdruck in Verbindung mit "Lassen Sie mich bitte einen Moment nachdenken" auch hilfreich und angemessener sein. Sie können aber auch irgendeine andere Handlung wie z.B. das gerade Ausrichten einer Handfläche mit der Selbstsuggestion "Halt inne!" verbinden, um sie zu "ankern".

Zur Einübung des "Unterbrecher-Setzens" eignen sich vorzüglich Rollenspiele mit zwei oder mehreren Teilnehmern. Das ist in Übung 4 meines Buches "Schulen brauchen gute Lehrer" näher ausgeführt.

Was gewinnen Sie dadurch: Sie werden von ihrem Gegenüber als bedächtig reagierend und selbstbeherrscht wahrgenommen. Und sie finden durch rationale Analyse des Geschehens eine wohlüberlegte Möglichkeit, darauf zu reagieren. So haben Sie sehr viel mehr erreicht, als es dem Gegenüber einfach nur "gegeben" zu haben, nicht wahr?

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Zeit gewinnen und nutzen

1. Zeit gewinnen

switch 98610 150 Durch "Unterbrecher-setzen" gelingt es Ihnen mit einiger Übung, eine Spontanreaktion zu unterlassen. Damit gewinnen Sie auch einen Augenblick Zeit zum Nachdenken. Sie merken aber: So schnell fällt Ihnen nichts Gutes ein. Immerhin: Ratlosigkeit ist schon besser als Zorn. Aber sie führt nicht weiter. Was fehlt Ihnen jetzt? Offenbar Zeit oder Beratung. Bedenken Sie: Sie brauchen sich ja gar nicht sofort zur Sache zu äußern! Niemand nötigt Sie dazu – es sei denn Sie selbst.

Eine einfache und nützliche Strategie: Prägen Sie sich vor dem Auftreten einer solchen Situation eine dazu passende Verhaltensweise ein. Zum Beispiel so:

schlafen thnErklären Sie ihrem Gegenüber möglichst unaufgeregt: "Ich wünsche mir Zeit, die Angelegenheit zu überschlafen." Oder: "Ich möchte jetzt nichts Verkehrtes sagen, sondern wünsche mir wenigstens bis Morgen Zeit darüber nachzudenken." Damit geben Sie sich keine Blöße, sondern lassen erkennen, dass Sie eine weitere Eskalation vermeiden möchten.

Dieser Wunsch ist frei von Vorwürfen, sachlich und zweckmäßig. Er gibt Ihnen selbst und Ihrem Gegenüber Gelegenheit, über den Konflikt nachzudenken und sich auf ein Gespräch darüber vorzubereiten. Das ist nämlich viel effektiver als spontane Äußerungen. Außerdem: Ihr Wunsch nach mehr Zeit dient beiden gleichermaßen. Das können Sie z.B. so bewusstmachen: "Ich meine, dass dies uns beiden zur Klärung verhilft" oder in Frageform: "Meinen Sie nicht auch, dass es uns beiden hilft, die Angelegenheit sachlich zu klären?".

calender 2389150 150Sobald darüber ein Einvernehmen besteht, ist die Frage angebracht, wann und wo man sich zum Gespräch treffen kann. Gesichtspunkte dafür sind: Zeitnah – möglichst am Folgetag – und "auf neutralem Boden". Als solcher kann gelten, wo beide keinen Heimvorteil haben und jeder die Möglichkeit hat zu gehen, wenn er denn möchte.

Schließlich ist erwägenswert, ob man einen Moderator zu dem Gespräch hinzuziehen möchte. Das bedingt aber, sich auf eine Person zu einigen und diese in die Terminvereinbarung einzubeziehen. Ein in Konfliktmanagement erfahrener Moderator würde sogar in einem schweren Konflikt bewirken können, dass die Kontrahenten eine für beide akzeptable Lösung finden.

Bedenken Sie bitte: Die gewonnene Zeit nützt Ihnen nur, wenn Sie sich auf das Gespräch vorbereiten und den Termin auch wahrnehmen. Sollten Sie viel um die Ohren haben, tragen Sie den Termin am besten sogleich mit einem Erinnerungsvorlauf z.B. in Ihrem Smartphone ein. Ein versäumter Termin würde dem, der Ihnen am Zeuge flickte, ein tatsächliches Argument gegen Sie liefern. Außerdem: Ein unzureichend vorbereitetes Gespräch nimmt leicht einen ungewissen Verlauf. Beides wollen Sie ja bestimmt nicht. Also: Nutzen Sie die gewonnene Zeit zu Ihrem Vorteil.

2. Zeit nutzen

Grundlage und Ziel

Zur Vorbereitung auf ein Konfliktgespräch ist eine gründliche Analyse des Verhaltens der beiden Beteiligten aus unterschiedlichen Blickwinkeln nötig, Perspektivwechsel also. Sie erschließen sich damit zusätzliche Wahrnehmungs- und Deutungsmöglichkeiten, also eine objektivere Sicht auf den Konflikt. Dadurch verringert sich auch Ihre emotionale Betroffenheit. Mit mehr Verständnis für Ihrer beider Anliegen können Sie sich auf ein Gespräch vorbereiten, das durch Verständigung eine Auflösung des Konflikts ermöglicht.

Vorbereitungen

Nehmen Sie sich für die Analyse etwa eine Stunde Zeit in einem Raum, in dem Sie nicht gestört werden, möglichst zeitnah zu dem unangenehmen Aufeinandertreffen. Nacheinander reflektieren Sie dort in der Rolle "ICH" Ihre eigenen Eindrücke und Empfindungen, in der Rolle "DU" die Ihres Kontrahenten sowie schließlich in der Rolle "ES" die eines unbeteiligten Beobachters der konflikthaften Begegnung. Dabei beantworten Sie die für jede Rolle aufgeführten "W-Fragen" (Wer, Wie, Wo, Was, Wodurch, Womit, ...). Diese übertragen Sie auf je einen Zettel mit den Überschriften ICH, DU bzw. ES.

Wenn Sie Perspektivwechsel schon öfter geübt haben, fällt es Ihnen nicht schwer, sich dabei rein gedanklich und gefühlsmäßig in die jeweilige Rolle hineinzuversetzen. Andernfalls hilft Ihnen der "Rollentausch am runden Tisch" dabei, mit Wechsel der Position auch innerlich eine je andere Sichtweise einzunehmen.

Mein Video PERSPEKTIVWECHSEL verabschaulicht Bedeutung, Anwendungsmöglichkeiten und Nutzen dieser vielfältig anwendbaren Methode. In einem gesonderten Kapitel weiter unten auf dieser Webseite möchte ich darauf noch ausführlicher eingehen.

Rollentausch am runden Tisch

tischrundeHierfür richten Sie für jede Rolle einen Platz und Stuhl an einem runden Tisch ein. Sie ordnen diese drei Plätze z.B. so an, wie es die nebenstehende Abbildung andeutet.

Sie legen dann auf jeden der drei Tischabschnitte

  • den Zettel mit den für die jeweilige Rolle vorgesehen Fragen,
  • je ein weiteres leeres Blatt mit der Aufschrift ICH, DU bzw. ES sowie
  • je einen Schreibstift.

Außerdem stellen Sie vor jeden der drei Tischabschnitte je einen Stuhl. Sodann nehmen Sie auf dem Stuhl "ICH" Platz.

Eigene Erinnerungen

ICHDiese Rolle verlangt noch keinen Wechsel Ihres Blickwinkels, sondern leitet Sie zu einer Selbstreflexion des Geschehens an. Nehmen Sie also gedanklich und emotional den Platz "ICH" ein, an dem Sie sich Ihre Erinnerungen an das ärgerliche Zusammentreffen ins Gedächtnis rufen.

Dazu beantworten Sie z.B. folgende Fragen:

  1. Was genau hat mein Gegenüber denn gesagt, behauptet oder unterstellt?
  2. Welche Fakten hat er genannt oder angenommen?
  3. Welche körpersprachlichen Signale - Mimik, Gestik und Tonfall - habe ich bei ihm wahrgenommen?
  4. Was genau hat mich emotional so stark berührt?
  5. Wodurch habe ich meinem Gegenüber womöglich Anlass gegeben, so ausfällig zu werden?
  6. Welche Anzeichen gibt es dafür, dass absichtlich gegen mich gerichtet war, was mich aufgebracht hat?
  7. Was möchte ich mit dem bevorstehenden Gespräch erreichen?

Notieren Sie Ihre Antworten auf dem mit "ICH" überschriebenen Blatt.

Ihr Gegenüber

DU ich es

Im zweiten Schritt nehmen Sie die Rolle der Person "DU" ein, die Sie verärgert hat, und ggf. am runden Tisch auch deren Platz.

Stellen Sie sich in dieser Rolle z.B. folgende Fragen:

  1. Welcher Anlass hat mich gegen "ICH" so aufgebracht? Welcher sachliche Grund?
  2. Warum habe ich mich "ICH" gegenüber so aggressiv verhalten, statt ruhig mit ihm zu sprechen?
  3. Welches andere Erlebnis hat womöglich dazu beigetragen, jetzt "ICH" gegenüber so unbeherrscht aufzutreten?
  4. Welche Reaktion von "Ich" hat mich noch stärker in Rage gebracht?
  5. Was hatte ich denn gegenüber "ICH" Wichtiges für mich im Sinn, und welches Ziel wollte ich damit eigentlich erreichen?
  6. Wie beurteile ich das Vorkommnis rückblickend?
  7. Was möchte ich in dem Gespräch erreichen, das "ICH" vorgeschlagen hat?

Notieren Sie Ihre Gedanken hierzu auf dem mit "DU" überschriebenen Blatt.

Aus unbeteiligter Warte

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Versetzen Sie sich in die Rolle "ES" eines unbefangenen Mitmenschen, der die Auseinandersetzung zwischen "ICH" und "DU" aufmerksam beobachtet hat, ohne einzugreifen. Nehmen sie gedanklich oder auch wirklich seinen Platz in der Tischrunde ein.

Aus dieser Beobachterposition heraus beantworten Sie z.B. folgende Fragen:

  1. Welchen Verlauf hat die emotionale Begegnung zwischen "ICH" und "Du" aus meiner Warte genommen? Wer hat zuerst die Selbstbeherrschung verloren? Was war anscheinend der Auslöser?
  2. Welche Emotionen waren bei "ICH" und welche bei "DU" zu beobachten?
  3. Wie zeigte sich, ob einer von beiden oder beide überempfindlich reagiert haben? Woran genau bei wem von beiden?
  4. Woran konnte ich ggf. gegenseitige Voreingenommenheit wahnehmen? Bei wem und mit welcher Äußerung?
  5. Worin bestand eventuelle ein Missverständnis zwischen den beiden?
  6. Welche Absicht verfolgte anscheinend "DU", und welche "ICH"?
  7. Worin könnte ein Kompromiss bestehen? Worin könnten sie übereinstimmen?

Notieren Sie Ihre Antworten hierzu auf dem mit "ES" überschriebenen Blatt.

Zielklarheit gewinnen

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Foto: pixabay

In einem vierten Schritt verlassen Sie die Tischrunde gedanklich und ggf. tatsächlich. Damit begeben Sie sich auf eine Position außerhalb der Tischrunde. Das könnte z.B. Ihr Schreibtisch sein. In der Erkenntnistheorie bezeichnet man eine solche Position als "Metaebene" *). Dort werden Sie nun Ratgeber für "ICH". Diese Aufgabe beginnen Sie, indem Sie die 3 Notizen der Reihe nach aufmerksam durchlesen. Die Aufzeichnungen machen Ihnen den Konflikt aus drei Blickwinkeln in einer Zusammenschau bewusst. Sie haben damit erreicht, die bloße Betroffenheit des "ICH" um andere Wahrnehmungen und Deutungen zu erweitern, also einen Zugewinn an Objektivität. Für die Beratung von "ICH" besonders belangvolle Antworten unterstreichen Sie.

*) Metaebene nennt man eine Sichtweise, bei der man ein Geschehen von außen her, aus "übergeordneter" Warte, unvoreingenommen und möglichst umfassend ("vielperspektivisch") betrachtet, um es möglichst objektiv zu erkennen.

Balance suchen

Aus dieser "übergeordneten" Warte können Sie klären, welches Ergebnis das vorgesehene Gespräch haben soll. Auch, wie "ICH" darauf hinwirken kann. Die Notizen zu den 7. Fragen, besonders die von "ES", sind dafür hilfreich. Bei den an "ES" gerichteten Fragen 5 bis 7 geht es auch um Balance der Interessen. Dem "DU" nur die Leviten zu lesen, wäre für "ICH" vielleicht eine Genugtuung. Das wäre aber kein Gespräch, sondern eine Art Einbahnstraße, auf der "DU" und dessen Befindlichkeit und Absichten gleichgültig und unerreichbar blieben. Zufriedenheit beider entsteht nur durch einen Interessenausgleich, also wenigstens mit einem Kompromiss, besser noch durch Konsens. Als "Ratgeber" haben Sie zu überlegen, welche Vorschläge dazu taugen.

Unter der Überschrift Balance suchen finden Sie auf dieser Homepage einen Artikel, der u.a. Tipps zum Finden ausbalancierter Kompromisse enthält.

Bedauerliches bedauern

Die meisten Menschen mögen sich für das eigene ungute Verhalten nur ungern entschuldigen. Es gibt allerdings einen Ausweg: Wer eine Entschuldigung erwartet, ist oftmals schon versöhnt, wenn sein Gegenüber das Geschehene bedauert. Bedauern ist eben kein Schuldbekenntnis, aber eine Brücke, die zur Versöhnung führen kann. Wenn "ICH" selbst die Auseinandersetzung "angeheizt" hätte, sollte der Ratgeber ihn auf diese versöhnliche und seine Selbstachtung wahrende Möglichkeit hinweisen: "Ich bedaure, dass ich Sie so aufgebracht habe". Auch dem "DU" ist leichter ein Bedauern als eine Entschuldigung abzuringen, z.B. mit einer - zugegeben suggestiven - Frage wie: "Tut Ihnen rückblickend nicht auch Leid, dass wir so aneinander geraten sind?".

Für ein erfolgreiches Gespräch ist mindestens so wichtig wie Zielklarheit die innere Haltung, mit der "ICH" in das Gespräch hineingeht. Der Ratgeber sollte "ICH" darauf eindringlich aufmerksam machen.

Ihre innere Einstellung

IchDuSelbst wenn jemand die Form nicht wahrt und unzutreffende Behauptungen aufstellt, ist es kein Ausweis Ihrer Selbstkompetenz, ihn - bildlich gesprochen - "in die Pfanne zu hauen". Der Irrende hat das gleiche Anrecht auf menschenwürdige Behandlung wie Sie. Es spricht für Sie, wenn Sie das achten und jenem die Gelegenheit geben, sich zu erklären und ggf. Fehler einzusehen.

Jeder Mensch hat nämlich

  • das Recht, Fehler zu machen,
  • die Aufgabe, sie selbst zu erkennen und möglichst wiedergutzumachen, sowie
  • die Möglichkeit, aus ihnen zu lernen.

Darum nenne ich selbst Fehler sogar "meine Freunde", die ich häufig wechsle, nachdem ich aus ihnen gelernt habe. Dazu hat Sabine Gessenich auf meinen Artikel "Aus Fehlern lernen" hingewiesen.

Ihr Einfluss

Sie haben keine Möglichkeit, das Verhalten eines Anderen unmittelbar zu beeinflussen, es sei denn Sie überzeugen ihn, seinerseits sein Verhalten ändern zu wollen. Das einzige Verhalten, das Sie unmittelbar verändern können, ist Ihr eigenes! Das ist eine für manchen ernüchterde oder enttäuschende Feststellung. Sie stellt aber auch eine Herausforderung dar. Deren Bewältigung gelingt Ihnen nach dem Perspektivwechsel leichter, weil sich Ihnen mit neuen Sichtweisen auch weitere Handlungsmöglichkeiten erschließen. Aber behalten Sie im Hinterkopf: Die einzig wirkungsvolle Stellschraube ist Ihr Verhalten.

Ihr Verhalten planen

Diese Überlegung soll Sie bestimmen, das Gespräch nicht aggressiv zu führen, sondern im Bemühen um Verständigung. Dem dient es, wenn Sie auf Vorwürfe und Anschuldigungen verzichten. Überlegen Sie darum gut, wie Sie das Gespräch beginnen. Sie kennen vermutlich das Sprichwort:

"Wer fragt führt"

fragenAlso: Fragen Sie, und zwar so entspannt wie möglich. Zuerst: "Wieviel Zeit sollten wir uns für unser heutiges Gespräch nehmen?". Mein Rat: Höchstens eine Stunde, besser nur eine halbe. Achten Sie auch auf die Einhaltung; denn zeitlich ausufernde Gespräche sind unbefriedigend. Dann zum Anlass für das Gespräch: "Habe ich Sie mit der Äußerung richtig verstanden, an die ich mich so erinnere: ...?" Enthalten Sie sich dabei eigener Bewertungen und lassen Sie sich Ihre Betroffenheit möglichst nicht anmerken. Fragen Sie nach dem Anlass, den Fakten und der Absicht der gefallenen Aussagen. Fragen Sie, ob sich Ihr Gegenüber vorstellen kann, welche Empfindungen das bei Ihnen ausgelöst hat, und ob das von ihm so gewollt war. "Was können Sie mir sagen, damit ich Ihr Anliegen besser verstehe?" oder "Was genau wollten Sie mir gegenüber erreichen?" - Solche Fragen verdeutlichen: Es geht Ihnen nicht darum, dass ihr Gegenüber sich rechtfertigt, sondern um Verständigung. Dieser Absicht bereiten Sie mit Bedauern des Bedauerlichen (s.o.) einen guten Boden.

Bereiten Sie Notizen auch hierzu vor, die sie bei dem Gespräch vor sich hinlegen können.

Warum aufschreiben?

notiz thnGedanken sind flüchtig. Was man aber notiert, wird klarer bewusst und länger erinnert. Außerdem lassen sich Notizen besser überprüfen und korrigieren als zurückliegende Gedanken. - Ihnen aber ist Schreiben vielleicht zu lästig? Dann könnten Sie erwägen, Sprachnotizen z.B. auf Ihrem Smartphone aufzunehmen. Das bietet sich vorrangig für Menschen an, deren bevorzugtes Wahrnehmungsorgan das Gehör ist. Die Schriftform bevorzugt, wer optische und haptische Eindrücke am besten erinnert. Die Audionotiz eignet sich allerdings nicht zur Verwendung im Gespräch, aber doch zur Anfertigung einer gleichlautenden schriftlichen Notiz.

Wenn es soweit ist

head 1825517 150Nehmen Sie nicht gegenüber ihrem Gesprächspartner Platz, sondern am besten übereck zu und links von ihm. So vermeiden Sie Konfrontation und lassen Wertschätzung erkennen. Klären Sie zu Anfang den Zeitrahmen und wachen Sie während des Gesprächs darüber. Eine für beide sichtbar auf den Tisch gelegte Uhr ist besser als wiederholte Blicke auf die Armbanduhr. Ihr Notiz-Zettel kann Ihnen helfen Ihnen, den Faden nicht zu verlieren. 

Das Gespräch selbst gelingt Ihnen "auf Augenhöhe" und mit befriedigenden Ergebnissen, wenn Sie dabei auch die Technik des "aktiven Zuhörens" anwenden.

Die "symmetrische Kommunikation" und das "aktive Zuhören" werden in späteren Kapiteln ausführlich vorgestellt.

Reicht der Zeitrahmen einer Stunde nicht aus, verabreden Sie besser einen neuen Termin. Am Ende des Gesprächs sollten Sie die (Zwischen-)Ergebnisse wenigstens stichwortartig notieren und durch Rückfragen absichern. Wenn zum Schluss bestimmte Aktionen für die Zukunft verabredet werden, sollte auch eine Kontrollvereinbarung dazu getroffen und notiert werden: "Wann stellen wir fest, ob wir das erreicht haben, und wie können wir nötigenfalls zu einer Nachbesserung kommen?".

Der Austausch der Notizen kann die Zuversicht untermauern, mit Transparenz der Ergebnissen eine gute Grundlage der künftigen Beziehung gewonnen zu haben.

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Die Reihe wird fortgesetzt

Vorgesehene Stichworte:

  • Wahrnehmung und Deutung abgrenzen, Skepsis trainieren
  • Pacing and Leading
  • Perspektivwechsel – durch Veränderung des Blickwinkels neue Handlungsmöglichkeiten finden
  • "Reframing" – eine Anwendung des Perspektivwechsels auf die Deutung von Wahrnehmungen
  • Kritikfähigkeit: Kritik äußern und Kritik annehmen / Umgang mit Fehlern
  • aktives Zuhören
  • Symmetrische Kommunikation
  • Kommunikationsquadrat
  • Inneres Team
  • symmetrische Kommunikation
  • Achtsamkeit
  • Resilienz
  • Win-Win-Situationen anstreben,
  • Diskussion: Erfolg / Selbst / …
  • ...

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