Karl Rüdiger

Erinnerungen an Karl Rüdiger
* 1. Februar 1932, † 11.Juli 2019

Musikpädagoge, Schulleiter, Fachdezernent, Chorleiter und Hobbydrechsler

Karl Rüdiger
Karl Rüdiger, daheim im November 2010 (eigenes Foto)

Karl Rüdiger war, wie schon sein Vater, von Geburt an in Leverkusen zuhause. Als Pädagoge hat er Schüler für seine Fächer Biologie und Musik begeistert. Als schulfachlicher Dezernent im Schulkollegium Düsseldorf und später in der Bezirksregierung Köln hat er maßgebliche Grundlagen seiner fachlichen Kompetenz in Richtlinien und kollegiale Beratungen eingebracht.

Der Obrigkeit hat er loyal gedient, aber auf seine besondere Weise, indem er z.B. harte Weisungen mit Menschlichkeit abgemildert hat. Er war ein Mensch, dessen frohes, unverwechselbares Lachen Ausdruck seines positiven Denkens und Fühlens war.

Das kenne ich schon seit den 70er Jahren, während ich als sein Adlatus im Büro neben seinem Fragen nach seiner Anwesenheit mit der Auskunft beantwortete, ob ich sein Lachen schön gehört hätte. - Schon seit damals verdanke ich ihm viele Ratschläge zum guten Umgang mit sich selbst und mit anderen.

Auch als Kollege beim RP Köln von 1986 bis 1991 war Karl mir Vorbild und Ratgeber. Erfrischend war sein subtiler Humor, der frei davon war, andere zu verletzen. Bewundert habe ich oftmals seine klaren, stimmigen Beschreibungen der Fähigkeiten und Verhaltensweisen von Lehrern, Kollegen und Politikern. Übereinstimmend empfanden wir z.B. das Auftreten unseres Chefs, des damaligen, bundesweit bekannten RP.
Aus Kopfschütteln wurde mit Karl Lächeln.

Es gehörte zu Karls Selbstverständnis, den Dienst bis zur Altersgrenze auszuüben.
Auch darin war er mir Vorbild.

Ab 1991 waren wir einander nicht mehr dienstlich verbunden, aber in zunehmendem Maße persönlich: Viele Konzerte und Opernaufführungen haben wir gemeinsam erlebt und manche Reise gemeinsam unternommen, auch mit Edith, seiner Frau.

Meiner Frau und mir hat er - wie auch vielen anderen Menschen - Hilfen zum Hörverstehen von Komponisten und Kompositionen geschenkt. Für die Beurteilung von Operninszenierungen hat er deren "Werkgerechtigkeit" als entscheidendes Kriterium formuliert.

Beim Klavierspielen imponierte uns Karls Musikalität. Er vermochte Partituren beim Lesen zu hören! Und er hat uns erzählt, wie er im Musikunterricht und bei Schulprojekten Schüler musikalisch inspiriert und wie er auch in Chören die Sänger begeistert hat.

Bewundert haben wir auch seine Drechselwerkstatt und deren zahllose, über sein Haus verteilte Drechselkunstwerke. Mit dem Drechseln und Ausschmücken kleiner Figuren und mit deren Beschreibung hat Karl seine Sicht der Welt vielfältig und wunderbar zum Ausdruck gebracht.

So hat sich aus der Bekanntschaft im Laufe der Zeit eine tiefe Freundschaft entwickelt, die beiderseits von uneingeschränktem Vertrauen geprägt war.
Ja, wir waren beste Freunde.

Und es war ein Geben und Nehmen.
Die auf meiner Homepage eingerichtete "Nische" zur Publikation von Artikeln über Karls Drechselkunstwerke hat ihn zu immer mehr Artikeln angespornt. Zu deren Bearbeitung durch mich sagte er in der Sprache seines Vaters, ich möge bitte gern "meine Wurst durch die Suppe seiner Texte ziehen".
Es war mir ein Vergnügen!

Karl seinerseits hat auch mir viel Zeit geschenkt: Das Werden meiner beiden Bücher hat er akribisch begleitet und dabei die Sichtweise eines kritischen Lesers eingenommen. In hunderten von E-Mails haben wir uns darüber ausgetauscht.
Das war sehr hilfreich.

Mit meiner Definition von "aktivem Optimismus", der sich in der permanenten Frage ausdrückt "Was geht trotzdem?", konnte er sich nicht anfreunden. Sein Gottvertrauen, seine Liebe und sein Pflichtbewusstsein waren für ihn bestimmend - und für mich beispielgebend.

Der Gratulation zu Karls 85stem Geburtstag mit meinem Film "Laudes" schloss sich David Steindl-Rast an "mit der Bitte in unserm Bund zu sein der Dritte".
Welch ein Geschenk für uns beide!

Als Edith ab 2017 intensiver Pflege bedurfte, hat Karl sie rund um die Uhr allein, liebevoll, und treu umsorgt, und ohne sich zu schonen. - "Selbstverständlich!", betonte er. Über die Maßen beansprucht hat er damit allerdings seine Kräfte. - Schließlich war sein Körper weiteren Anstrengungen nicht mehr gewachsen. Nach monatelanger Lähmung und Sprachlosigkeit bot er ihm keine Heimat mehr.
Darum hat er ihn abgelegt.

Abschied von Karl nahmen Edith und viele Weggefährten am 5. August 2019 mit einem von Pfarrer Bernd-Eckehart Scholten in der Petruskirche in Leverkusen-Bürrig seelenvoll gestalteten Trauergottesdienst. An Karls Urne durfte ich Erinnerungen an ihn vortragen.

Solche Erinnerungen an die Begegnungen mit ihm und an seine Einzigartigkeit bleiben. Sie verbinden uns mit ihm und sie mögen seiner Seele Flügel verleihen. Sie können auf das Bild, das wir von ihm in uns haben, ein Lächeln zaubern, das die Tränen der Trauer in Tränen der Freude über seine spürbare Nähe wandeln kann.

Als virtuelles Andenken an seine Drechselkunst und die damit verbundenen Lebensweisheit soll sein "digitaler Nachlasss" auf meinem Webaccount solange wie möglich erhalten bleiben.

Dazu gehören

Seine Drechselkunstwerke hat Karl dem Niederrheinischen Museum Kevelaer vermacht. Dorthin überstelle ich auch Kopien seines digitalen Erbes, wenn ich meine Webaktivitäten beende. 

Traumtänzer und ParadiesvogelEin gegenständliches Andenken aus seiner Werkstatt hat einen ganz besonderen Bezug zu uns beiden. Es besteht aus zwei Paaren "Traumtänzer und Paradiesvogel", die Karl 2012 angefertigt und deren Bedeutung er im Abschnitt 7 seines Artikels "Allerlei Gedrechseltes" beschrieben hat.

Die beiden Figuren aus unterschiedlichen Gegenwelten symbolisieren ihn selbst als den Paradiesvogel und mich als den Traumtänzer. Ein Paar dieser Figuren stand auf Karls Piano, das andere ist in meinem Besitz. Damit haben wir einander und uns selbst seither im Blick gehabt. Und diese geistige Verbundenheit spüre ich auch gegenwärtig und schätze sie als unvergänglich. 


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